Wer kennt es nicht, das mittlerweile zum Volkslied gewordene Lied der mexikanischen Komponistin Consuelo Velazquez? Interpretiert wurde das Lied von Musikergrößen wie den Beatles, Elvis Presley, Dean Martin, Julio Iglesias und vielen, vielen anderen.

“Küss" mich ganz fest” lautet der Refrain – so als sei der heutige Kuss der Letzte. Das Credo scheint in Spanien jedem Kind in die Wiege gelegt worden zu sein.

Es wird geküsst, was das Zeug hält. Zur Begrüßung, zur Verabschiedung, Familie und Freunde sowieso, aber auch Wildfremde werden geküsst.

Auch in Deutschland wird mittlerweile mehr geküsst als noch vor wenigen Jahrzehnten. Eventuell der Einfluss unserer immigrierten südländischen Mitbewohner. Haben uns die vielen spanischen, italienischen und griechischen Zuwanderer nicht nur Pizza, Gyros und Paella, sondern auch das Küssen lieben gelernt?

Richtig Küssen will jedoch gelernt sein. 

Nehmen wir an, Sie sind zu einem Abendessen bei Ihren spanischen Nachbarn eingeladen. Bitte stürzen Sie sich nicht sofort auf die Gastgeberin und drücken ihr einen feuchten Schmatzer auf die Wangen. Zumeist ist der Wangenkuss in Wirklichkeit ein eher angedeuteter Kuss. Ungefähr so wie der Handkuss. Je persönlicher jedoch die Bindung zu Ihrem Kusspartner, umso eher wird aus diesem angedeuteten Kuss ein echter Kuss mit Lippenkontakt.

Es gibt Situationen, zum Beispiel bei hochoffiziellen Anlässen oder auch bei Geschäftsterminen, bei denen der Kuss dem Händedruck weicht. 

Ein leicht peinlicher Moment ist häufig der, in dem man mit ausgestreckter Hand auf jemanden zuläuft, der Gegenüber aber keine Anstrengungen unternimmt, den Händedruck zu erwidern (in eigener Erwartung eines Kusses). Am besten warten Sie daher ab, wie sich Ihr Gegenüber verhält. Reagieren Sie dann dementsprechend.

Meistens wird übrigens zuerst nach links, dann nach rechts geküsst. Nicht ein-, nicht drei-, nicht vier-, sondern genau zweimal!

Auch zur Verabschiedung wird geküsst. 

Kehren wir zurück zu unserem imaginären Abendessen bei unseren spanischen Nachbarn: Selbstverständlich wiederholt sich das Kussritual auch zur Verabschiedung. Diese Verabschiedung kann übrigens sehr, sehr lange dauern. Auch wenn man sich schon von den Stühlen erhoben hat, kann es gerne noch eine halbe Stunde dauern, bis man dann letztlich das Haus verlässt. Gastfreundschaft wird halt groß geschrieben.

Wie wichtig der Kuss für die spanischen Umgangsformen ist, zeigt sich auch an der Verwendung der Verabschiedungsformeln im Freundes- und Familienkreis:  “un beso” oder einfach nur “beso” oder “besos”. 

In Spanien wird übrigens nicht wirklich zwischen Freunden und Bekannten unterschieden. Auch ein Bekannter ist meist ein “amigo”.

 

In diesem Sinne,

Besos, Ihr Glossolalia Team

July 23, 2015